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Epigraphische Nachlesen.

Von

J. Gildemeister.

Mit einer lithogr. Tafel.

1.

Die unter allen vermuthlich schönste und sorgfältigst eingehauene Steinschrift in Sinaitischen Cbaracteren ist, weil an einem Orte herausgegeben, wo sie nicht leicht Jemand gesucht hat, bisher unberücksichtigt geblieben. Sie findet sich in (giuseppe Mabla. Füsco) Di alcune iacrizioni di Pozzuoli e sue vicinanze. Nap. 1851. fol. pp. 54 auf Tafel IV in natürlicher Grösse offenbar gut and zuverlässig abgebildet Ein Wiederabdruck, wie ihn die Tafel (no. 1) bringt, wird desshalb nicht unwillkommen sein. Da eine vollständige Erklärung nicht gelingen will, so mögen nur einige Erläuterungen ihn begleiten; selbst diese werden vielleicht schon über die richtige Gränze hinausgehn.

Der Stein gehört zu einer Sammlung von 58 Inschriften und Inschriftfragmenten, welche bei Puzzuoli, Baja, Miseno und Cuma gefunden und von Hn. Fusco dem Museo Borbonico in Neapel geschenkt waren, in dem er sich ohne Zweifel noch befinden wird. Genaueres über den Fundort und die Umstände der Auffindung wird nicht mitgetheilt. Die Accademia Ercolanese di Archeologia äussert sich in einem vorgedruckten Gutachten darüber: Da ultimo non h a tranaandare che un bei frammento di iscrizione Araba pure si offre, il quäle preaenta una diversith nolabäe nel modo come va scritto, cib che poträ dare materia ad utili trovati nella ricerca delle antichith Araba-Sicule. Der Herausgeber selbst bemerkt S. 54: un' iscrizione di carattere Arabo ä quäle . ... ha molto dal Palmirene e da a dividere essere questa foggia di caraäeri da esso derivata. Eine Erklärung, zu der sich Garucci anheischig gemacht habe, ist. meines Wissens nicht erschienen.

Der Stein ist ringsum abgebrochen; nur zeigt der Augenschein, dass die Inschrift nach oben und nach links, mit Ausnahme etwa der letzten Zeile, vollständig ist. Weniger sicher ist man darüber an der rechten Seite. Da ein Wort nicht wohl mit nn anfangen kann (ein solches bei Lottin de Laval Taf. 55 links, 3, das mit ganz denselben beiden Gruppen beginnt, kann nicht herbeigezogen werden, da die Inschrift offenbar nicht richtig abgezeichnet ist) und

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auch ein Plural der zweiten Verbalform "inn* nicht in die Construction passt, so ist sicher die erste Zeile vorn, und zwar um mehr als einen Buchstaben verstümmelt. Von den beiden nächsten aber kann man dies, falls der Band des Steines in richtiger Proportion gezeichnet und die angedeuteten Beschädigungen der Fläche nicht tiefgreifendere sind, nicht wohl annehmen. Die Herausgeber solcher ihnen unverständlicher Denkmäler versäumen zu oft, uns über dergleichen aus der Beschaffenheit des Materials beim Augenschein leicht zu entnehmende, aber für die Entzifferung wesentliche Umstände durch bestimmte, positive oder negative Angaben zu unterrichten.

Das Vorkommen orientalischer Inschriften in Puteoli, dem Sitz

der MEBCATOBES QVI ALKXANDR. ASIAI SYBIAI NEGOTIANTVB (Mommsen

Inscr. regni Neap. n. 2516), dem grossen Emporium für den Handel mit dem Osten, wie es der Portus Eomanus für den mit dem Westen war, und in welchem uns phönicische Culte längst bekannt sind, darf eher erwartet werden als befremden.

Die Lesung ist zum grössten Theil sicher; die Formen entsprechen den bekannten und nur einige Zeichen finden sich gerade so unter den bis jetzt vorliegenden nicht wieder. Kleine Verschiedenheit der Gestalt bei denselben Buchstaben in derselben Inschrift zeigen sich auch hier, wie so oft in den Sinaitischen Inschriften.

In der dritten Zeile fällt zunächst in dem «iionb der Name des Dusares in die Augen, der, nachdem ihn Levy am Sinai ermittelt, neuerlichst auch durch das von Benan Journ. Asiat. Juin 1868. XI, 538 besprochene, aus Syrien gebrachte nabatäische Inschriftfragment bestätigt ist, so dass Meier's {diese Zlsckr. XVH, 631) verunglückter N-i'öij nirgendwo Stütze findet. Für seinen Cult in Puteoli zeugen drei dort gefundene Sockel mit den Worten Dvsabi Sacbvm (Mommseu 1. 1. 2462). Ihm folgt ein 11 und dies scheint mit dem einen Wort der vierten Zeile einen vielleicht von einem Cultusort hergenommenen Beinamen des Gottes oder einer seiner Cultusformen zu bilden. Ob das letzte Zeichen ein Buchstabe ist, oder da seine Gestalt keinem recht entspricht, eine blosse Beschädigung des Steins, muss dahin gestellt bleiben. Eine Identificirung bietet sich nicht; der Anklang an in"V ist wohl nur zufällig.

Vorherzugehn scheint das bekannte ia*n. Aber da die beiden ersten Zeichen der Zeile kein Wort zu ergeben scheinen und das erste allein als p genommen werden kann, so wird das zweite zu lO'n zu ziehen sein. Eine ganz entsprechende Figur ist bisher nicht zu Tage gekommen: es könnte p sein oder auch das in dieser Schrift meist geschlossene x, letzteres graphisch vielleicht sogar

noch eher. Sowohl itt'np, neben dem vorkommenden *£», als auch

f*i.to, etwa in der Bedeutung des Jüngsten, der die Kinderzahl

voll macht, sind als nomina propria denkbar. Da das gleiche Zeichen in der ersten Zeile sich leichter als p deuten lässt, so hat diese Auffassung auch hier einstweilen den Vorzug.

Das letzte Wort der zweiten Zeile ist so deutlich wie möglich «abtna». Der Punct dahinter, sowie namentlich der unter dem a sind wohl zufällig, da dergleichen sonst nicht vorkommen. In diesem Worte erkennt man dasjenige, welches von Tuch und Blau Nnbanay, von Levy tösway gelesen ist. Levy's Einwürfe gegen Tuchs und Blau's Lesung (XIV 420) und Blau's Einwürfe gegen Levy's Lesung (XVI 364) sind beide graphisch völlig berechtigt; ein Mn ist freilich sicher durch «n "jns, aber gerade desshalb lässt sich ein weiterer grammatischer Gegengrund aus der Unwahrscheinlichkeit entnehmen, dass das Wort nach nas mit, nach jro ohne Artikel gebraucht sei. Das Richtige ist ein drittes, eben unser Mab», und dies liest man auch deutlich auf den in Betracht kommenden beiden Inschriften Grey 2 und 54 (Tuch DI 213), das i bloss nach vorn verbunden und genau wie z. B. Beer n. 81, Zeile 7 (d-u-o), wo dieser es richtig las, wogegen in der Inschrift von Puteoli das i nach beiden Seiten hin verbunden ist, ganz wie z. B. das 3 in Levy's Tafel III n. LI Z. 2 (oiJ-a) n. XLLX (fälschlich XLIV) Z. 4 (iba-in). Dieses nämliche eobjna» lässt sich vielleicht (doch mttssten jedesmal schlechte oder unvollkommen wiedergegebene Formen des zweiten N angenommen werden) in isolirten Buchstaben bei Lottin de Laval Taf. 12, 3 letzte Zeile, Tai. 38, 1 links Z. 1 und 42, 1 Zeile 3 (letztere = Grey 145 oder Beer 62, wo die Zeichnung minder gut ist) nachweisen. Jedenfalls steht der Name durch unsere Inschrift ganz fest und es handelt sich nur um die Erklärung. Einen neuen Gott so oder Nibtt wird man so lange als möglich abwehren. Soll eine Vermuthung hingeworfen werden, so

Hesse sich mittelst Assimilation ein Ls\JUI Oux Diener des Asyls vorschlagen. Zu den von Blau XVI 364 gesammelten Beispielen eines Ortsausdrucks nach Juc ist vielleicht .J^Xj! Juc zu fügen, das Ibn Duraid p. Ita (der Name fehlt, wie leider viele, im Register) richtig auf Wurzel ^^ zurückführt, wenn gleich das Nomen auch ihm, wie dem Firuzäbädi 8. v. ^J^, ein f^*o ist

Vorher ist der Name rw unverkennbar und das erste Wort kann *p^3 gelesen werden, so dass die drei Zeilen, ihre Vollständigkeit nach rechts vorausgesetzt, den Satz ergeben würden: Gesegnet (sei) Zaid und Abdalgd, der Sohn Quthaims, dem Dusares, dem

Aber eben diese Vollständigkeit steht nicht fest, und die erste Zeile, in welcher sich der Erklärung die meisten Schwierigkeiten entgegenstellen, würde damit nicht zu verbinden sein. In ihr scheidet sich zunächst 'baa als Wort aus, da schwerlich, wenn man den

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