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mehreren genialen Völkern, das Alles enthält einen zwar bewundernswerthen, aber nicht mehr geradezu wunderbaren Fortschritt. Ebenso ist der Uebergang von einem ägyptischen Hieroglyphensysteme zur wirklichen Buchstabenschrift gewiss nichts weniger als undenkbar. Die späteste Gestaltung der ägyptischen Schrift, die sogenannte demotische, obwohl nur ihre letzte cursivische Verkürzung, macht äusserlich den Eindruck einer Buchstabenschrift und wurde für eine solche gehalten, ehe man in den Hieroglyphen ein lautliches Princip zu suchen wagte. Wir haben zunächst diesem Eindruck und der unter seiner Herrschaft versuchten Entzifferung von de Sacy und Akerblad die Entzifferung auch der Hieroglyphen und die Wiedererweckung der ägyptischen Sprache und Urgeschichte überhaupt zu danken. Was das Wesen, die Anwendung der hieroglyphischen Zeichen betrifft, so müssen wir bedenken, dass die der Buchstabenschrift nächste Verwendung der Hieroglyphen, nämlich die mit der Geltung des Anfangslautes, grade in fremdsprachlichen Namen unbestritten gebräuchlich ist, und dass die Aegypter, wenn sie ihre Schrift auf eine semitische Sprache hätten anwenden wollen, dies gewiss nach jenem Princip gethan haben würden. Der grosse Schritt bis zu einer wirklichen Buchstabenschrift besteht darin, dass diese für einen Laut nur ein einziges Zeichen hat, wogegen der llieroglypheuschrift, auch wenn sie streng alphabetisch verfährt, doch immer eine Auswahl zwischen den verschiedenen Bildern übrig bleibt. Ohne die Beducirung phonetischer Hieroglyphen auf die möglichst geringe Anzahl würde also das Alphabet anstatt 2*2 viele Hunderte von Buchstaben gehabt haben, und diese Reducirung würde also dasjenige sein, was wir als Erfindung der Buchstabenschrift gelten lassen könnten. Kenner der ägyptischen Schrift wissen, dass zu einer solchen Vereinfachung innerhalb der hieroglyphischen Orthographie selbst Anhaltspuncte gegeben sind, welche übrigens, weit entfernt eine bewusste Wahl gewesen zu sein, vielleicht das Product einer im Laufe von vielen Jahrhunderten vollzogenen Entwickelung sein kann. Wenn wir, anstatt von einer gänzlich instinctiven, ihrer letzten Ziele völlig unbewussten Entstehung der Schrift auszugehen, dem menschlichen Verstände die Aufgabe stellen wollten, diese wunderbare Kunst zu schaffen, so würden wir in dieselbe Unmöglichkeit gerathen, als wollten wir die Sprache der menschlichen Vernunft und Reflexion entstammen lassen. Wenn die Sprache Erfindung wäre, so müsste die Weisheit der Menschen vor Erfindung der Sprache unendlich grösser als die gegenwärtige gewesen sein. Wie in der Sprache, so können wir auch in der Schrift, obschon sie noch in fast geschichtlicher Zeit ihre Ausbildung erlangt, mit allem in ihr liegenden Verstände nicht selbst ein Werk des Verstandes, sondern nur eine jener instinctiven Schöpfungen des menschlichen Geistes erkennen, welche, ob zwjir Producte einer vernuuftloseu Entwickelung, doch die höchste, bewundernswürdigste Vernunft, eben wie die Wunder der Natur um uns, in sich bergen.

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Neue Ermittelungen auf byzantinisch-arabischen Bildmünzen, mit einem Anhange

Villi

Dr. Stickcl.

Nebst einer Tafel.

Bekanntlich hat sich de Saulcy in seiner zweiten Lettre sur quelques points de la numismatique arabe das bleibende Verdienst erworben, den byzantinisch-arabischen bilinguen Bildmünzen ihre Stelle zu Anfang der moslemischen Münzprägung vor der Münzreform 'Abdulmalik's angewiesen und die im Jahre 1839 habhaften Exemplare dieser Art beschrieben zu haben. Sein Wunsch aber, dass was sonst noch davon in den Sammlungen vorhanden sei, an das Licht gebracht werden möge, ist in den inzwischen verflossenen dreissig Jahren nicht erfüllt worden. Wenigstens hat sich nichts Förderndes ergeben. Frähn's Opp. postuma fuhren einige schon bekannte Typen als auch in Petersburg vorhanden auf. In Marehant's Lettres sur la numismatique et l'histoire, Paris, 1851 und in Pelgado's mir freundlichst zugesendeten herrlichen Münztafeln zu einem in Madrid vorbereiteten Werke über spanisch - arabische Münzen sind etliche Exemplare de Saulcy's reproducirt. Neu bekannt wird uns nur durch Herrn Karabacek (die Cufischen Münzen des Johanneums in Graz. Wien 1868 S. 4) eine Varietät der Himsser Münzen mit einem Punkte statt des Sternes hinter u«»*^.i, und noch gedenkt derselbe beiläufig S. 9 dreier unbekannter Stücke dieser ("lasse in seiner eigenen Sammlung. Eines derselben, über das ich nachher weiter berichte, trägt den Namen eines neuen Prägeortes Ma'arat Misrin. — Mag diese Leere in dem wirklichen Mangel derartiger Prägen in den Cabinetten, woran ich kaum glauben kann, oder in anderen Ursachen begründet sein, sie veranlasst mich umsomehr, einige Stücke vorzuführen, die, zumal das erste, in ganz ausserordentlicher Weise die Aufmerksamkeit des Numismatikers erregen. Durch dieses erste Stück, das ich so glücklich bin, an das Licht zu ziehen, wird nichts Geringeres als die Thatsache eonslatirt, dass wirklich schon der zweite rechtmässige Khalife 'Omar in Syrien hat Münzen schlagen lassen, und dass uns jetzt eine Präge

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dieser Art selbst greifbar vorliegt. Ein Ereigniss, wie wir es kaum in kühnster Hoffnung zu ahnen wagten.

No. 1 M (vgl. Taf. No. 1) — Das Stück, um welches es sich handelt, ist schon von Saulcy in der angezogeneu Lettre (Separatabdruck S. 3!)) als das einzige ihm von Chalcis bekannte beschrieben und abgebildet worden (Fig. 23). Es trägt auf dem Advers die ganze stehende Figur des byzantinischen Kaisers, mit der Rechten ein langes Kreuz haltend, dessen Stange geperlt ist, in der Linken den Reichsapfel mit dem Kreuze. Links von oben nacli unten arabische Schrift, worin Saulcy nach dem einzigen, ihm zu Gebote stehenden, au dieser Stelle etwas verwischten Exemplare den Ortsnamen yijMtli vermuthete, worin aber, wie sich alsbald ergeben wird, der Personenname .*£. geboten ist. — Auf dem Reverse cursives M als Werthbezeichnung, darüber +, darunter Querbalken, zu beiden Seiten von oben nach unten: XAAG d. i. Chalcis; in der Exergue unten las Saulcy OMA . . .') Das Stück befand sich in der Sammlung des Hrn. Lagoy in Aix, gelangte dann in die.des verstorbenen Soret und mit dieser in das jenaische Cabinet.

Dass es aus Chalcis stammt, dem arabischen Qinnesrin, kann keinem Zweifel unterliegen. Wie Deladsori S. 137. 144 f. berichtet, wurde diese Stadt schon im Jahre 16 d. H. von Abu 'Ubeida den Moslemen unterworfen; sie kann da nicht, wie behauptet worden, zerstört worden sein, denn aus der Historia Halebi ed. Freytag S. 2 ist zu ersehen, dass im J. 16 d. H. der tapfre Khalad vom Khäufen 'Omar als Gouverneur von Qinnesrin eingesetzt wurde, dem Habib ben Muslim, im Jahre 20 Said und noch in selbigem Jahre 'Omair ben Sa'd folgten, welcher Letzte diese Verwaltung bis zum Tode des Khalifen (J. 23 d. H.) behielt. Sonach steht nichts der Annahme entgegen, dass schon in dieser Zeit in Chalcis ein Münzhof in Thätigkeit gewesen sei. Aus der Regierungszeit 'Abdulmalik's, also etwa 50 Jahre später, liegen mir im hiesigen Cabinette Prägen aus dem Münzhofe Qinnasrin vor.

Nun habe ich in der Soret'sehen Sammlung noch ein zweites, zwar stark verschliffenes, aber doch noch so weit hinlänglich deutliches Exemplar gefunden, um seine Identität mit dem von Saulcy beschriebenen constatiren zu können. Es ist im Jahre 1852 ebenfalls von Lagoy an Soret gelangt. Bei diesem hat es geruht, ohne dass er die hohe Wichtigkeit seines Schatzes ahnte. Nachdem ich das Stück sorgfältig gereinigt hatte, was nur zu oft zum grossen Schaden der Erklärung von den Numismatikern unterlassen wird, trat auf diesem zweiten Exemplar zu meinem grossen Erstaunen, an der Stelle, wo Saulcy .„j.**^3 vermuthete, ein nicht zu verken

1) De Saulcy bemerkt dazu: ,,Je n'ose lire ici le neun ilu fanicux khalil'e Omar—, et je laisse a de plus liabiles que moi le soin de deviner le inot dout DOU3 retrouvons les traces. II est ä regretter que eilte monnaie soit dans un fiehcQx etat de rmiservation."

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