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sind bald zu erkennen. Während das Blut bisher in natürlicher Weise die Ernährung unterhielt, tritt jetzt Blässe des Gesichts ein, und ebenso in Händen und Füssen. In Kücken und Unterleib werden Schmerzen empfunden, da das autgetrocknete Blut sich dort festzusetzen anfängt. Zuweilen bildet das Blut eiuen Klumpen, rund wie ein Hühnerei, zu andern Zeiten ist es wie eine Kugel im Bauche aufgerollt, in der Leistengegend anschwellend. Es verursacht Leibweh und Atheranoth, da das Blut im Innern vertrocknet Der Arzt muss Fiebermedicinen geben und so handeln, wie es weiterhin auseinandergesetzt werden wird. Löst sich die Geschwulst nicht und^folgt keine Heilung, so liegt ein Fall trockener Schwindsucht (Risadvn hen) vor. Bei einigen Personen weiblichen Geschlechts geschieht es, dass sie niemals Zeichen der Reinigung zeigen. Bei andern tritt diese erst lange nach der Mannbarkeit, in einem Alter von 20—30 Jahren ein, zuweilen erst nach der Verheirathung. Aber über die Symptome dieser Leiden kann hier nicht gehandelt werden. So weit die Bromha-Paröhid.

An der Stelle, wo der erhabene Lehrer in dem Textbuche der

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Pathomma-Cindä (des ersten Gedankenspiegels) von der Diagnosis der Krankheiten (Röga-Nidän) redet, sind seine Worte-die folgenden: Nach den Naturgesetzen wird eine Frau durch das geschlechtliche Beisammenwohnen geschwängert, indem sich die ursächlichen Elemente viererlei Art in vollkommener Mischung durchdringen, nämlich die Erde zwanzigfach, Wasser zwölffach, Feuer vierfach und Luft sechsfach. Indem sich die Wassertheilchen aus dem Blute der beiden Eltern mit einander vermengen, so erhebt sich bei der thierischen Schwängerung ein kleines Kügclchcn, einem am Ende eines Härchens hängenden Oeltropfen ähnlich, quillt halbflüssig auf und steigt siebenmal an jedem Tage in die Höhe. Wenn unter solchem Emporsteigen sieben Tage vorübergegangen sind, so wird es verdickt und trübe, wie zerkochtes Fleischwasser. Nach dem Verlaufe anderer sieben Tage gestaltet es sich wie Fleischstückcheu. Am Ende der nächsten siebeu Tage nimmt es die Consistcnz eiues Hühner-Eis an. Dann nach andern sieben Tagen zerbricht') es in sieben Spaltungen, die nach Art des Hadabäd-Steins in gleichen Entfernungen von einander abstehen, wie die Stehisitze der Priester. Wenn nochmals sieben Tage abgelaufen sind, so zeigt sich das Haar auf dem Kopfe und der Körper tritt hervor, mit seinen Gliedern deutlich abgetrennt. Zu gleicher Zeit mit der Ausbildung der RüpaKhandha (der körperlichen Form) tritt Vedanä-Kbandha (der Bündel der Sinnlichkeit) in Existenz, mit der Fähigkeit Heisses und Kaltes zu unterscheiden. Nimmt die Mutter in ihrer Nahrung Speiscu heisser Art zu sich, so fühlt sie fliegende Hitze, ängstliche Beklemmung und Herzklopfen, indem die Vcdanä-Khandha angeregt und gereizt, schmerzhafte Empfindung verursacht, wie sie in den Qualen der Hölle erduldet wird, denn der Aufenthaltsort des Kindes ist eng und schmal und höchst unbequem. Das Kind sitzt nämlich ztisammengehockt, mit den beiden Händen gleichweit von einander nach Innen gekehrt und unter das Kinn gelegt. Das Gesicht ist einwärts gewendet, nach den Lendenwirbeln der Mutter zu, und da sitzt es nun, wie der Affe während der Regenzeit in einem hohlen Baume sitzt. Wenn der Magen der Mutter gefüllt ist, so sitzt es vor demselben, wie auf einem Polster, wenn er leer ist, so sitzt es dahinter, und trägt ihn gleichsam auf dem Kopfe. Es empfängt die Würze der ihm zuertheilten Speisen durch seinen eigenen Nabelstrang und pflegt sich ihrer mit Hochgenuss zu erfreuen. Wenn die Mutter keine Speisen zu sich nimmt und wenn also, da keine Essenz durch den Nabelstrang hindurch filtrirt, der Embryo nichts von dem ihm zukommenden Speiseantheil empfängt, so fühlt er sich höchst unbehaglich und angstvoll, und verursacht Ziehen und Herzklopfeu, indem er sich unruhig hin- und her bewegt. Alles dies

1) Eine verspätete Furchnng.

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ist klar und deutlich in dem Handbuche Caturarisat auseinander gesetzt, das von den vier vornehmsten Lehrsätzen handelt. Hier in diesem abgekürzten Auszuge geben wir nur so viel als genügt, um die allgemeinen Grundsätze zu zeigen.

Ein andres Capitel: Ist bei geschlechtlicher Vermischung die Mutter geschwängert worden, so sind die folgenden Zeichen zu beachten. Wenn sie ein Gelüste zeigt das Fleisch des Fisches Masaniansa in frischer oder eingesetzter Zubereitung zu essen, so ist das Wesen, mit dem sie schwanger geht, durch eine aus der Hölle emporgestiegene Seele belebt. Verlangt es der Mutter nach säuerlichen Dingen oder Apfelsinen, so kommt die Seele aus den Gärten des Himaphan; wünscht sie Honig und zuckerigen Palmsaft, so kommt die Seele aus den Himmeln, liebt sie Früchte zu essen, so kommt die Seele aus dem Thierreich, hat sie Gelüste nach Erde, so kommt die Seele aus den Terrassen der Bromha. Stammt dagegen die Seele aus der Menschenwelt, so giebt sie der Mutter ein, sich nach heissen Ragouts zu sehnen. Indem so die Mutter nach der Elementar-Gestaltung der kindlichen Natur die Notwendigkeit fühlt, sich von den entsprechenden Speisen zu nähren, um Krankheiten zu vermeiden, so wächst der Embryo rasch empor unter Ausbildung der Sinnesorgane (Tndri), der fünf Bündel (Panca-Khandha) und der 32 Akära oder Gliedmassen, die alle ihre Vollendung erhalten. 266

Aramäische Miscellen.

Von

Dr. 0. Hin...
1.

Hr. Prof. Nöldeke hat seiner Analyse des aramäisch-palästinensischen Dialectes (Ztsclir. d. D. M. G. XXII, 520, §. 46) einige Bemerkungen über die muthmassliche Heiinath desselben angefügt, die bei dem hohen Interesse des Gegenstandes zu einer weiteren Untersuchung anregen.

Wichtig ist vor allem die Frage, welche Stadt in den arabischen Beischriften des Codex unter den Bezeichnungen Om-?)x> ,90001/ k»~Jj «f-^M/ und .-\;Q\ oj^ai/ gemeint ist. Der Vermuthung Land's S. 527, dass Et-Tajjibe bei Jerusalem gemeint und Oq.n.\v. zu lesen sei, steht meines Dafürhaltens entgegen. dass dieses kleine Dorf nicht füglich als Medina, Stadt, bezeichnet werden konnte. Da überdies keine zwingenden Gründe vorhanden sind, in so unmittelbarer Nähe von Jerusalem zu bleiben, so findet vielleicht folgende Vcrmuthung Beifall. Ich bleibe angesirhts des zweimaligen Vorkommens des Stadtnamens dabei stehen, dass in Antakia ein Antiochia zu suchen ist. Der Zusatz .-v,\>\ bezeichnet die Ortslagc genauer, gewiss im Gegensatz zu dem Antiochia am Orontes. An ein westlich davon gelegenes, nach Analogie vou Tarabulus-i-Gharb, zu denken, erlauben die Umstände kei

nenfalls. Darum ist .-y^' l''e »Hein mögliche Lesung. Dies vorausgeschickt, erinnere ich nun an die Angaben bei Stephauus Byzantinus S. 99, Z. 15. Mein., der als fünftes Antiochia eines aufführt: fUTCtgii xoiXrß JZvgiag xat '^i^aßing, und folgere, dass eben dieses im gemeinen Leben das arabische Antiochia hiess. Ueber die Lage dieser Stadt, die meines Wissens von andern nicht erwähnt wird, gibt Stephanus einen weiteren Wink S. l'Jo, 3: raSaya, noXig xoiktjg SSvgtag, rj r«v xai 'AvTiöyrtut xut <2V/.*t'xeia txktj&t/. Die Ausleger haben beide Stellen längst combiiiirt und es kann kein Zweifel obwalten, dass das arabische Antiochia mit Gadara, der Hauptstadt der Decapolis, identisch ist. Wir hätten hiernach die Localitäten, die in den Beischriften des Codex erwähnt werden, im Südosten des Sees von Tiberias zu suchen. Gadara konnte mit Fug und Recht als Medina bezeichnet werdeu und in seinen Mauern die Klöster bergen, in denen die Handschriften geschrieben wurden. Die Grenzbestimmung „zwischen Cölesyrien und Arabien" passt ebensowohl zu der thatsächlichen Eintheilung des Landes unter den Römern (vgl. Plin. 5, 16) als die Angabe Josephus' (Autiq. 17, 11. 4), wonach ihre Bevölkerung überwiegend heidnisch war, auf die Mischung derselben aus arabischen, aramäischen und jüdischen Elementen einen Schluss macheu lässt.

Ueber die älteste christliche Gemeinde in diesem Antiochia gibt nun aber eine Stelle des Nilus Doxapatrius eine Nachricht von unmittelbarer Wichtigkeit für unsere Frage. Es heisst da §. !) (der Ausgabe v. G. Parthey hinter Hierocles Synecdem. S. 268):

Toivvv xat o uiyag ünoGToko* fteroog Ttqo Twv äkkuv l&Pixiöv x6Xio>v TtQwtojv niaxivaäviixtv rwv iv '.Avrioytlcf rr rf,s Koihfe SSvoia^ 3r/i.«fii'j (nootjyxe ök airr, naaäv Twv tv rtj Acia xcti 'AvarolTi nöXiwv) txxXrt(slcev ntj^äfttvog xa\ avt avTov Iniaxonov Lv avTii Top Evosov ysiooroiijcctg ansd/jutjoev.

Ich erkenne nämlich in dem Namen dieses ersten Bischofs unseres Antiochia ein arabisches oder aramäisches .>*«£, vgl. den Stadtnamen "EßoSa in Arabia Petraea; und bringe damit die in der einen Unterschrift erwähnten Jj^c }J>\ zusammen, entweder als wirkliche Nachkommen seines Geschlechtes, oder als Sekte, die seinen Namen bewahrten, oder als Bewohner .einer Oertlichkeit, die von ihm genannt war. Der Begriff und Gebrauch des J^i lässt alles zu.

Wenn hiernach in klösterlicher Abgeschlossenheit zwei alte tausendjährige Namen sich erhalten haben, so trägt auch ein dritter zur Fragestellung gelangender Ortsname in den Beischriften auf den ersten Blick ein altgriechisches Gepräge, der der Landschaft opaoj/. Im ganzen Bereiche palästinensischer Topographie tindet sich keiu landschaftlicher Name, der sich dieser Form, so weit sie vorliegt, anpassen will. Sollen wir ihn aber mit der Dekapolis localisiren, so darf — wenn es nicht gar eine blosse Corruption und Abbreviatur aus Jtxänokig selbst ist — vielleicht daran angeknüpft werden, dass die nächste Nachbarschaft von Gadara und mit ihr zusammen oft erwähnt "Innog war, von der die Landschalt 'Innrjvtj, neben FadaQ/'g z. B. bei Joseph. Bell. Jud. III, 3, 1, hiess. Es würde nichts Befremdendes haben, dies "Innog in syrisches apoSu/ transcribirt zu linden uud von da zu dem gegebenen _gpajoj/ ist ein mindestens eben so leichter Schritt als von diesem zu apiac&..

Die von Hrn. Prof. Nöldeke für die ortliche und zeitliche Begrenzung des Dialectes gewonnenen Resultate würden keine wesentliche Modification ausser dieser Verschiebung der gesuchten Localitäten erfahren, wenn meine Combination sich haltbar erwiese.

2.
Türkische Lehnwörter im Aramäischen.

Im Folgenden gebe ich einen kleinen Beitrag zu der Untersuchung über die Einmischung fremdsprachlicher Elemente in die .aramäischen Dialecte, wie sie jüngst von Hitzig in der Eröffnungsrede der Heidelberger Versammlung angeregt und in dem gelehrten und inhaltrcichen Aufsätze von de Lagarde: „Persische, armenische und indische Wörter im Syrischen" (an der Spitze seiner Gesammelten Abhandlungen) aufgenommen ist.

An ein paar Stellen hat schon de Lagarde Zweifel erhoben, ob nicht gewisse Wörter türkischen Ursprungs seien, hat dabei auf die Bedeutung einer derartigen Erscheinung für die Abfassungszeit des Talmud hingewiesen (S. 24. 51. 72) und scheint deren Einwanderung also in sehr junge Zeit setzen zu wollen, während Hitzig, wenn ich ihn recht verstehe, ein skythisehes Element in Vorderasien mit einer Urbevölkerung daselbst in Zusammenhang zu bringen geneigt ist.

Mir scheint es ausgemacht, dass türkische Wörter im aramäischen Sprachschatz vorhanden sind, doch gehe ich weder so weit hinauf, als der eine, noch so weit hinab als der andre, um diese Thatsache historisch zu erklären, sondern setze diese Einwanderung und Entlehnung turauischer Wörter im semitischen Vorderasieu in die Jahrhunderte nach Alexander, als diejenige P^poche, wo vorzugsweise turanische Völkerschaften massenhaft unter parthischer Führung nach Vorderasien gelangten und gleichzeitig aramäische Cultur weit nach Persien hineinreichte. Persien ist die Brücke für diese Lehnwörter gewesen.

So fällt ein eigenthümliches Licht auf mehrere der von Hitzig behandelten Wörter durch die Thatsache, dass sie auch in den persischen Glossarien zend-pazendischer Vocabeln wiederkehren, die

Vullers seinem Lexicon angehängt hat. Dahin gehört z. B. ^jUf (Hitzig Ztschr. d. D. MG. XX, S. V) verglichen mit ^, \^Ayi (Vullers a.a.O. S. 1549 b) Birne, welches ich am liebsten zu osttürkischem *jja** kemirte stellen würde, wenn nicht Vambery (Cagat. Stud. 317) diesem bloss die Bedeutung „uureife Pfirsiche" vindicirte; ferner «33 (Hitzig Ztschr. XXI, 277), Zahn, welches bei Vull. S. 1548 als pazendisch UC? wiederkehrt, und wohl zu der türk. Wurzel kak, von der kakac Schnabel, gaga dass. gebräuchlich sind (s. meine bosn.-türk. Sprachd. S. 260, Anna. 222),

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