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Etwas über den Bernstein.

Wie die Phönizier wohl den Bernstein, mit dum sie einen so ausgedehnten Handel trieben, genannt haben mögen, ist eine Frage, bei der die Alten uns gänzlich im Stich lassen und neuere Forscher, so viel ich weiss, noch nicht angelangt sind.

Ich stelle die Vermuthung hin, dass sie kein anderes Wort dafür hatten als das althebräische "i73n, und dass der Name des Bernsteins in den romanischen Sprachen, ambra, ein Ueberbleibsel davon ist.

Diez, etym. Wörterbuch der Rom. Spr. 2. Aufl. S. 20 giebt folgendes:

„Ambra (Hai.), portng. ambar und alambar, fr. ambre. Bernstein, mhd. amber, ämer, nhd. Ambra, ein harziger Stoff aus dem Orient, zunächst von arab. ,*« an bar, das aber in dieser Sprache selbst keine Wurzel hat."

Die Geschichte des Wortes ist damit nicht erschöpft; au bar ist im Arabischen selbst ein Fremdwort. Zugegeben, dass das portugiesische, zumal mit dem Artikel al-amJbar unmittelbar an das arabische .»**]( angeknüpft werden darf, so steht doch daneben, dass im mittelalterlichen Latein anibrum für Bernstein uutcr Umstanden vorkommt, wo eine Entlehnung des Namens aus dem arabischen Morgen lande nicht wahrscheinlich ist. So z. B. werden botones de ambro, Bcrnsteinknöpfe, und pirolac de ambro Bernsteinkugeln als Handelsartikel venetiauiseher Barken, die nach der Levante importirt werden, genannt (Judicum Venetorum decisiones piraticae in Font. KB. austriac. II, XIV, S. 255. 277). Wie sollten die Venetianer dazu gekommen sein, diesen, von Hause aus nicht im Orient heimischen Artikel, der von jeher durch den westlichen Handel nach dein Morgenlaude gelangte, mit einem arabischen Worte zu benennen, zumal ihr Hauptmarkt dafür Byzanz war? Viel wahrscheinlicher ist, dass die mittelländischen Seefahrer alle das Wort aus einer Zeit geerbt haben, wo dies Produkt der baltischen Küsten neben dem griechischen i'ßexrgov und dem lat. succinum, die beide doch nur ein quid pro quo sind, im Orient unter dem Namen bekannt war, den der älteste Haudel dafür geschaffen hatte.

Die Lücke zwischen dem mittellatein. ambruni und franzus. ambre einerseits und einem altphönizischen Namen andrerseits ist weniger bedenklich, wenn man sich als Träger der traditionellen Terminologie im Handel die Griechen der Levante denkt, die ja z.. B das Phünizische "pai? in mannigfaltigen Wandelungen nicht

>^ bloss bis zum arab. .^jje, sondern sogar bis zum französ. arrhe

verschleppt haben.

Anf griechischen Einfluss weist in der That das des Wohlklanges und der leichtern Aussprache wegen eingefügte b, welches in gleicher Umgebung z. B. in dem Namen "ji^ißgov statt -*1 Nonnos bei Müller Fragm. H. Gr. IV, 179, in LXX "Afißqi statt ^H£ 1 Paral. 7, 8 u. aa. erscheint. Und wenn die Araber, als sie auf dem Schauplatz des internationalen Handels erschienen, aus einem byzantinischen äfißyov oder afißagov ihr j*Xc bildeten, so thaten sie nichts anders, als was sie mit andern altorientalischen Waaren

namen thaten, indem sie z. B. Ql*jl erst aus griechischem ßä).

aauov, Vaä-^j erst aus griechischem t^iaguySog entlehnten, ohne auf deren altsemitischen Namen zurückzugreifen; j^Xn steht in gleicher Entfernung von iizr,, wie ^L^L von Dba, tV»-j?j von np^s.

Nach Wegräumung jenes griechischen Einschiebsels nämlich führt der Rest amr auf gar kein anderes altsemitisches Wurzelvvort hin als auf -i?:n, von dem wir ja annehmen müssen, dass es nächst den Hebräern auch den Phöniziern angehört hat, da der Asphalt, den das A. T. unter tan versteht, ein so namhafter phönizischer Handelsartikel war (Movers Phon. III, 1 S. 225). Dass aber Asphalt und Bernstein mit einem gemeinsamen Namen bezeichnet wurden, hat nichts befremdendes; die ähnliche Natur beider würde das schon rechtfertigen. Insbesondere kann ich anführen, dass im modernen Orient — dem die echten Bernsteinspitzen zu theuer zu weiden anfangen — ein Surrogat dafür sich beliebt zu machen gewusst hat, das .,sijah-kehruba", schwarzer Bernstein, genannt wird und nichts anders als verhärteter Asphalt aus den Gruben von Tschaldyr in Armenien ist. Nicht viel anders ist es, wenn unter ambre zwei essentiell verschiedene Dinge, ambre jaune und ambre gris befasst werden, und bei den Syrern unter kehruba nicht bloss der Bernstein, sondern auch Diamant verstanden wird (Lagarde ges. Abh. 54).

Sachlich deckt aber inn den Begriff des Bernstein um so mehr, als der Glaube, dass letzterer ein Erdharz sei (Plin. 37, 21, 1: Sotacus credidit in Britannia petris effluere), im Alterthume ziemlich verbreitet war. Das Wort ist von der Wzl. "inn in dem Sinne „gähreu, blasenförmig aufwallen, ebullition", hergenommen, nicht von der rothen Farbe, wie Gesenius im Thes. 493

wollte. Das arab. j»s- Gesen. 1. 1. j+^- Kamus ist, wie ich glaube, auch bloss Lehnwort, das mit der Sache „biturnen Judaicum" durch den Handel nach Arabien kam; doch finde ich auch eine den Wörterbüchern fehlende Nebenform ä.»5* als Uebersetzung von n?an in der arabischen Version Gen. 14, 10, die Lagarde im 1. Heft seiner Materialien edirt hat. In Anbetracht des vielfältigen Gebrauches, der vom Bernstein in den Spezereien des alten Orients gemacht wurde, ist als Rest des alten Namens vielleicht hierher auch das zu ziehen, dass ein Parftim, das bei den arabischen Frauen

beliebt war, Xj+=* heisst und von einer jemenischen Pflanze gewon

nen wurde, die im Handel den Doppelnamen J*äc und »_►=>■ fahrt (Kam. s. voce.) und saffrangelbe Farbstoffe enthält. Als Surrogat und Namensverwandte des gelben Bernsteins — nach dessen Farbe die Metallmischung tjAsxrpov der Griechen ja auch erst genannt wurde — stünde dies jemenische Produkt der altphönizischen Waare jedenfalls näher, als die schwärzliche, und als Typus dieser Farbennüance viel gemissbrauchte, persische Ambra, .aää, die, dem Alterthum gänzlich unbekannt, erst im Mittelalter in Mode gekommen ist (vgl. Quatremere in Hist Mong. I, 396, 4 und Anm. 189). Es kommt dazu, dass die Benennung ;^e auch in Jemen nicht einheimisch zu sein scheint, da dort eben diese Pflanze ^^ vars heisst (Kam. s. v. yJ^c und Kremer die südarab. Sage S. 48). Ob die Ambra von Schihr, zwischen Oman und Aden, deren die Araber oft rühmend gedenken (Thalebi in Zeitschr. VIU, 527. Edrisi ed. Jaub. I, 48), gelbe oder graue war, bekenne ich nicht zu wissen.

Genug, dass übereinstimmend das arabische yj.c sowohl als das ambra der lingua franca sich nach Begriff und Form als Sprössliug eines altsemitischen -wn verräth, um wahrscheinlich zu machen, dass eben dies der von den Phöniziern dem Bernstein gegebene Name war.

Die Aegypter hatten dafür einen eigenen Namen, Sacal, wie Plin. 37, 11,1 überliefert, mit welchem vielleicht der Name der Myrrhen, der bei Plut. ls. und Osir. 80 nach Parthey <t%al = kopt. uj«.A (s. G. Ebers, Aegypten und die Bücher Moses S. 290) zu schreiben wäre, zu combiniren ist, da ähnliche wohlriechende Harze, wie Storax liquida und Ambra liquida, selbst in den heutigen Nomenclatuien des Droguengeschäftes durcheinanderlaufen (s. Schick, allg. Waarenkuude 222).

Und die Skythen sollen den Bernstein ebenfalls mit einem einheimischen Namen, sacrium, genannt haben (Plin. a. a. 0.). Diesen knüpfe ich an türkisch cakyr eigentl. blinkend, funkensprühend, was im Jakutischen Eigenname des Feuersteins, bei Mir Ali Schir ein Epitheton des Weius, in Kleinasien Name einer Quelle ist.

Etwas über das Opium.

Zu den Culturen, die der heutige türkische Orient aus byzantinischer Zeit überkommen und weiter gepflegt hat, gehört die des Opiums. Der griechische Name omov ist in den Formen L-,j*il. nf*tf, L.j^l, ja sogar 0^j (Burh. Qat.), ,o*So/ und ^3/ im

arabischen, türkischen, persischen und syrischen Wortschatz eingebürgert; und leider auch die Sache selbst mehr, als für die Civilisation wünschenswerth wäre, im ganzen Orient als berauschendes Genussmittel verbreitet. Die launige Erzählung in einem Gothaer Manuscript (Pertsch Catal. der orient. Hdschr. II, S. 204), wonach das Opium erst verbannt, nachher aber wieder frei gegeben wird, hat in dieser Beziehung ein gewisses culturhistorisches Interesse. Dr. Pertsch scheint in der Anmerkung zu dieser Stelle nicht recht verstanden zu haben, wieso als Verbannungsort des Opiums die Stadt Karahissar in Kleinasien eingeführt wird; er sucht eine Beziehung auf den alten Stadtnamen Apamea darin. Indess liegt eine solche Anspielung dem Verf. gewiss fern, abgesehen davon, dass die Identität von Karahissar mit Apamea Kibotus mehr als zweifelhaft ist (s. Hamilton Reise in Kleinasien deutsch v. Schomburgk II, S. 171). Vielmehr hat dies Karahissar den Beinamen Afiün von nichts mehr und nichts weniger als eben den vorzüglichen Culturen des Mohnsaftes, die in der Umgegend getrieben werden. In Lemonidi le commerce de la Turquie. Constant. 1849. S. 102 hebt der Artikel Opium d'Anatolie gleich mit den Worten an: „Les localites qui produisent cet article narcotiqüe sont Afkion Cara Issar et ses banlieues"; in einem als Mscr. gedruckten Consularbericht, Smyrna und sein Handel 1851/1852 S. 15, heisst es: „Opium wird in mehreren Provinzen der Türkei gewonnen; allein derjenige, welchen der Distrikt Afiaun-Karaysar hervorbringt, ist der Besuchteste von Allem." Abgesehen von den beiden Druckfehlern Afkion und Afiaun constatiren diese Citate die Thatsache, dass die Cultur des Opiums mit dem Namen der Stadt Afiun-Karahisar (wie sie in allen türkischen Staatskalendern geschrieben wird) innigst zusammenhängt.

lieber den Anbau, die Ernte und Behandlung der zur Gewinnung des Opiums gezogenen Mohnpflanzen in der genannten Gegend gibt ein so eben erschienener offizieller Bericht: La Turquie ä l'exposition universelle de 1867 von dem Kaiserl. Commissar Salaheddin Bey, S. 48 — 56 ausführliche und interessante Auskunft, neben manchem andern, leider oft zu dürftigen Material zur Kenntuiss der heutigen Türkei. Von sprachlichem Interesse ist z. B. dabei S. 49 die Angabe über die besonderen Instrumente, die dazu gebraucht werden: eines, das bestimmt ist bloss die Einschnitte in die Mohnköpfe zu machen, heisst djizgni (^ j=-), ein anderes, mittelst dessen der noch nicht verhärtete milchige Saft eingesammelt wird, heisst al'ik (ob von al-mak?). In unseru Wörterbüchern, auch den neuesten, sucht man nach solchen Dingen natürlich vergebens.

Zu den palmyrenischen Inschriften.

Von
Prof. Dr. M. A. Levy.

Der Aufsatz des Herrn Dr. Merx in dieser Zeitschrift (XXII, S. 874 fg.): „Bemerkungen über bis jetzt bekannte aramäische Inschriften" veranlasst mich zu den nachfolgenden kurzen Bemerkungen, die lediglich den Zweck haben, die Yermuthungen dieses Gelehrten einer Prüfung zu unterwerfen, besonders auf Grund der soeben erschienenen Abtheilung des trefflichen Werkes von M. de Vogü6 „Syrie centrale" betitelt: „Inscriptions semitiques publiees avec traduetion et commentaire, Paris 1868", um jene in der Ueberschrift genannten Inschriften nach sprachlicher und graphischer Seite so sicher als möglich zum Verständniss zu bringen.

Bekanntlich haben die Herren de Vogüe u. Waddiugton vor einigen Jahren Palmyra und den Haurän besucht und einen reichen Schatz von lateinischen, griechischen, nabathäischen, sabäischen (neuhimjarischen) und palmyrenischen Inschriften erworben. Eine Sammlung der lateinischen und griechischen Inschriften wird bald durch den zu diesem Unternehmen so sehr befähigten Waddington an's Licht treten; während ein Theil der semitischen in dem vorhergenannten Werke uns geboten wird. Es enthält, ausser den im Texte selbst abgezeichneten, auf 12 Tafeln folio die Abbildung von 146 palmyrenischen Inschriften, welchen 88 Seiten folio als Commentar voraufgehen. Wir kommen auf dieses so wichtige epigraphische Werk in einem ausführlicheren Artikel noch zurück; für diesen Augenblick wollen wir, wie gesagt, versuchen, diejenigen palmyrenischen Texte, welche sich in den Händen der Leser dieser Zeitschrift befinden, an der Hand der neuen Dokumeute wo möglich sicher zu stellen und zu erklären. Dies wird uns ermöglicht durch die Correktheit der Copien des Herrn de Vogüe, zumal derjenigen, die sich auf photograpbische Abbildungen stützen; aber auch wo dies nicht der Fall ist, haben wir nach eingehender Prüfung allen Grund auf die epigraphische Treue bei den allermeisten uns zu verlassen. Ohnehin wird der semitische Text bei sehr vielen palmyrenischen Inschriften durch griechische Beischriften, die von Waddington neben dem erstem copirt worden, leicht controlirt. Wir werden auf solche Weise im Stande sein, die Yermuthungen

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