Abbildungen der Seite
PDF

209

Zur neuesten Literatur Hinterasieus und Afrikas.

Von

Prof. Steinthal •).

Von Erscheinungen anf dem Gebiete des Hinterindischen und Malayisch-Polynesienen ist nichts zu melden. Nur küuntc im Voraus auf einen Aufsatz „über formosanische Sprachreste" hingedeutet werden, der nächstens erscheinen wird'). Der Verf. derselben, Hr. Dr. med. A. Scketelig hat sich längere Zeit auf Formosa aufgehalten.

Für das Chinesische ist manches geleistet. James Legge hat nach seiner grossem Ausgabe und Uebersetzung der alten canonischen Schriften der Chinesen die Uebersetzung für die weitere Lcsewelt in besonderem Abdrucke veröffentlicht *). J. Chalmers' Buch über den Ursprung der Chinesen und ihre Verwandtschaft mit den westlichen Volkern soll werthlos seins). Wilye gibt einen Abriss der chinesischen Literaturgeschichte4), der anziehend geschrieben sein soll, wenn er auch für den Eingeweihten wenig Neues enthalten mag. Einen lehrreichen Blick in den ungeheueren Umfang des chinesischen Schriftenthums und zugleich in die Bemühungen der Chinesen um die Erhaltung ihrer altern Literatur lässt uns Plath werfen 5j, obwohl er sich auf etwa fünf Jahrhunderte beschränkt, welche halb vor, halb nach Christus liegen. — Auf die Praxis berechnet, aber bei der Tüchtigkeit des Vrfs. auch von hohem wissenschaftlichen Werthe sind die Anleitungen von Wade, dem Sccrctär der englischen Gesandtschaft in Peking1)*). — Auch in lexikalischer Beziehung ist einiges geschehen; besonders ist neu abgedruckt der phonetisch geordnete (also der werthvollere) Theil des Morrison'sehen Wörterbuchs, das freilich auch in dieser neuen Gestalt sehr theuer ists). Ein englich-chinesisch-japauisches Vocabular gibt lieüowsl), zu dessen Arbeit Summers Bemerkungen über das Schreiben des Chinesischen mit lateinischen Buchstaben hinzufügt. Umfassender wird das Werk des schon durch grammatische Arbeiten bekannten Lobscheid, das aber nur englisch-chinesisch ist5). Auch ein umfangreiches Vade mecum für Beisende nach China und Japan ist erschienen 6).

*) Vorgelesen in der General-Versammlung zu Würzburg el. 1. Oet. 1868.

1) Zeitschrift für Völkerpsychologie und Sprichw.

2) James Legge, the lifo and tenchings of Confucius, with explauatory notes. Reproduced for general readers from the author's work „The Chinese classics with the original text". London, Trübner & Co 1 vol. 8.

3) F. Chalmers, the origin of the Chinese , an attempt to trace the connection of the Chinese with western nations in their rcligion, superstitions, arts, Innguagc and traditions. 1 vol. 8. London, Trübner & Co.

4) A. Wylie , Notes on chinesu litcraturo.

5) Ueber die Sammlung chinesischer Werke der Staatsbibliothek aus der Zeit der Dynastie Han und Wei. Sitzungsbcr. der Kgl. bayer. Ak. d. W. 18(j8. 2. Heft. 8. 241—299.

Hiermit haben wir Japan schon berührt. Im Anschluss an das Vorstehende führen wir auf das japanisch - englische Wörterbuch von llepbum 7), welches die japanischen Wörter in der einheimischen und der lateinischen Schrift bietet. Von dem begonnenen japanisch-französischen Wörterbuche von Pmj6s 8) ist die zweite und dritte Lieferung erschienen. Der unermüdliche Aiu/. Pfizmaier aber gibt einen japanischen Texta) in einheimischer Schrift (Kataka-na) und in lateinischer Umschrift nebst Uebersetzuug uud Anmerkungen, der dadurch ausgezeichnet ist, dass er in den Reden der vorgeführten Personen die Umgangssprache in mannigfacher Abstufung treu wiedergibt.

Noch immer ist Alrica ein beliebtes Ziel forschender Reiselust. Die neuesten Ereignisse lenkten die Aufmerksamkeit besonders auf Abessinien. Plowden J0) gibt aus den hinterlassenen Papieren seines auf der Reise getödteten Bruders einen Bericht, über dessen Ueisc in Abessinien und den angrenzenden Gegenden im Jahre 1848, und itAbbadic berichtet über einen zwölfjährigen Aufenthalt in Abessinien '). llohlfs hat seine schon früher vereinzelt durch Petcrinann bekannt gemachten lleisc-lierichte zusammengestellt und durch ein Kapitel vermehrt herausgegeben 2). Chapman ist in das Innere Südafrikas gedrungen3). — Auch unsere Kenntniss des geistigen Lebens und Schaffens der Afrikaner hat einen wichtigen Zuwachs erhalten durch GaUaway, der uns Fabeln und Grossmütter-Märchen der Zulus im Original und in der Uebersetzung mittheilt4). Bloss in der Uebersetzung gibt Th. Hahn Sagen und Märchen der Hererö in Süd-Africa6). J= Qj A*ä»i ^j* (jy*o-l ^j ^\*>i N-^ftÄj Li^wJ t^A ci ».;ij »•*-'••"

1) T. F. Wade, Tzü erh clii, a progressive coursc designed to nssist tlic Student of colloquial Chinese as spoken in Peking and tlic dcpartinent of Shuut'icn-fu. 4 voll. 4 liier werden die Elemente gelclirt und Dialoge getwten. Für das Bedürfnis* des Interpreten sorgt

2) Desselben Tzü erb chi, Docuuicutary serics, a cuUeetiou of Chinese papers relating to busincss matters. official or couuuereial, with triuislation aud notes. 1 vol.

3) K. Morrison, A dictinuary of the Chinese language 2 voll, small 4° (4^4 s.)

4) Etiglish outline voeabulnry for tlie use of the students of the Chinese, Japanese and other langunges, arranged by .lohn Bcllows. 1 vol. 8.

f>) Lobsehcid, English and Chinese dictionary, with tho Punti and Mandarin pronunciation. 4 Parts folio, wovon zwei erschienen Hong Kong 1866 —67.

6) China and Japan, a couiplele guido to the open ports of thosc couiitrics together with Peking, Yeddo, Hongkong and Macao. Fonning n Guide-Book and Vade Mecum for Travellers, Mercliants and Kcsideuts in gencral. With 56 maps and plans. By Frederick Mayers, Dcunys und King, edited by N. B. Dennys. 1 vol. 8. 600 pp.

7) J. C. Hepbtirn, A Japanese and English dictinuary with an English and Japanese index. 1 vol. 8. 560 S. und 132 S.

8) L. Pages, Dictiommirc Japonais-Franoais.

*J; In den Denkschriften d. k. k. Akud. d. Wiss., Philol.-histor. Classc Wien.' 17. Bd.

10 Travels in Abyssiuia and the Galla country. From tlic mss. of the Ute Walter Chichcle Plowden. ed. by Trevor Cbichele Plowden. London. 8.

11 A. d'Abbadic, Douzc ans dans la haute Ethiopie (Abyssinie). T. I. Paris.

2) Kohlfs, Afrikanische Reisen. Kcisc durch Minoren, l'ebersteigung dos grossen Atlas, Exploration der Oasen von Tadlet, Tnnt u. Tidikolt und licise durrh die grosse Wüste über Rhadamns nach Tripoli. Mit dem Portrait des Verfs. a. einer Karte von Nordafrika. Hrcmcn 18li8. 8.

3) Jam. Chapman, Travels in the interior of South Africa. 2 voll. 8.

-1} Nursery tales, traditions and histories of the Zulus in their own words with a translation into English and notes by Canon Callaway. Tom. I. Natal London. 8.

5) Im Globus XIII, 10. Lief.

302

Notizen, Correspondenzen und Vermischtes. leber eine arabische Handschrift der K. Bibliothek zu Berlin.

Von

Johannes Koedigrer.

In der Königlichen Bibliothek zu Berliu unter der zweiten Wetzstein'schen Sammlung befindet sich eine Handschrift (Nr. 274) mit dem Titel: ^UUI J.c J^> yi^JJI wAitf. Ausser diesem Werke des hoehberühmteu Grammatikers finden sich, so weit sieh dies nach den Bibliothekskatalogen bestimmen lässt, nur noch im Escurial drei Handschriften des ^.suJt j Lajt (Casiri I Nr. XLH u. XLI1I. CXXV. CXCIV), von denen Nr. CXXV zugleich das xUÜ;») desselben Verf. enthält; ausserdem sind noch ebendaselbst 2 Comnientare zu dem idah (Nr. XLIV und XLV). Leider sind aber diese Handschriften nicht leicht zugänglich. — Was nun den Berliner Codex anlangt, so enthält derselbe auffallender Weise eine Schrift des Abu 'Ali al-Färisi, von der uns weder der Fihrist *) noch Ihn Hallikän3) noch Hagi Haifa Kunde gibt, deren Authentie aber unzweifelhaft ist So ist der Titel offenbar von derselben Haud, von der der Codex geschrieben ist, und lässt, obwohl von späterer Hand übermalt, noch deutlich die alten Züge erkennen. Auf der umstehenden Seite des Titelblattes beginnt nach dem V-J*=>JJI »W ^

^clj j~-i <r>) ^>,JI sogleich der Text: jdl (»KJI j*.-~&i 3 ^ \S.P

Jiäj'ji l^ >üy:*~ ohne jegliche Vorrede, die uns über Ursprung und Zweck des Buches unterrichten könnte. Ebenso unzweifelhaft wie der Titel ist die Unterschrift, die uns den Namen des Verfas

[ocr errors]

1) s. Wüstcnf. Ibn Hall. Nr. IT S. 1(, Z. 5 v. u., wo ULj&i fiir lUlXi zu lesen ist.

2) Flügel, Gramm. Schul, d. Ar»b. 8. 111.

3) ed. Wüstenf. Nr. |T.

'jw*5_j.ji »xjj xlJI LiU»>j iü".LA*JI ».-S^j-U i&o u^*i>5 ^»>.*«j JLL*.S"

Wenn nun Titel und Unterschrift immer noch als gefälscht angesehen werden könnten, so finden sich doch auch in dem Buche selbst Stellen, welche die Autorschaft des Abu al-Färisi ausser allen Zweifel setzen. So weist der Verfasser auf seinen idah hin auf

Blatt 129a: vUT J 'ji ^JJt vjua^lj JL15 ayu ^JJI ^!

t^yo J.c -La^l und noch bestimmter auf Blatt 140 b auf seine

üljj. Jjl^o in den Worten: JJL-+JI J eU5 Je SJ^JÜI o/ö «Xij

\**lU. Beides sind bekannte Schriften des Abu 'Ali al-Färisi. Ist hiernach ein Zweifel an der Authcntio dieser Schrift nicht mehr zulässig, so ist. doch auflallend, dass das Werk eines so berühmten Grammatikers so wenig bekannt wurde, dass sich in den oben genannten literaturgeschichtlichen Werken keine Spur davon findet. Vielleicht erklärt dies eine Stelle, die sich auf Blatt 140b findet,

t wo es heisst: Max/Üi Je Njlmjji }**\jms\ jj'ö J^c ^ Ux.£ .J'A.i*»

kjUXJl liÄP ^ Ja^l. Hier wird auf einen Abschnitt des Buchs

verwiesen, der sich nicht vorfindet, und man darf wohl daraus schliessen, dass das Buch nicht vollendet wurde. Dann ist es aber erklärlich, dass es nicht veröffentlicht wurde und so fast unbekannt bleiben konnte. — Wie die oben mitgetheilte Unterschrift zeigt, ist das Berl. Manuscript im Jahre 578 d. II. (1182 n. Chr.) geschrieben. Auf Blatt 129a erfahren wir aber durch eine Randbemerkung des Schreibers, dass die vorliegende Abschrift zum grössten Theil von einem von Abü'1-Fath ben Ginni geschriebenen Exemplar genommen ist. Die ausserordentliche Correctheit und Sorgfalt, mit der das vorliegende Manuscript geschrieben ist, berechtigt uns in ihm ein treues Abbild dieses Exemplars des Ihn Ginni zu sehen, so dass wir so einen Text vor uns haben, der bis vor das Jahr 392 d. H., das Todesjahr des Ihn Ginni, hinaufreicht und also der Abfassungszeit des Buches sehr nahe kommt.

Unser Codex ist in Octav und enthält auf 170 Blättern den Text nebst vorn zwei, hinten einem Beiblatte. Die Schrift ist ein deutliches ziemlich grosses Neslji mit 15 Zeilen auf der Seite, fast durchgehends vocalisirt und mit vielen andern diakritischen Zeichen versehen. Obgleich der Codex, vorzüglich in den späteren Blättern, durch Wasser gelitten hat, lässt sich doch mit weniger Mühe alles lesen. Eeider ist derselbe nicht vollständig. Aus Vergleichung der Zählung der Heftlagen (^-i^) mit der jetzigen Blattzählung sieht

[ocr errors]
« ZurückWeiter »