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Beziehung unterscheiden sich die exilischeu und die in der nächsten Zeit nach dem Exile schreibenden hebräischen Autoren in keiner Weise von den letzten vorexilischen; während in der späteren persischen und in der griechischen Zeit dieses wesentlich anders ist (Qoheleth, B. Jona; Chronik; BB. Esra-Nehemia). Wie ist dies zu begreifen, wäre gerade in Babylon der Aramaismus zu Hause gewesen, und wäre die Umwandlung des reinen Hebräisch in das spätere, aramaisirte Hebräisch gerade in Babylon vor sich gegangen?

Genau das Gleiche gilt in Bezug auf die assyrische Sprache. Dass in der Landschaft Assyrien nach dem Falle Ninivehs aramäisch gesprochen ward, ist unzweifelhaft: bekanntlich findet sich in diesen Gegenden noch jetzt vereinzelt aramäische Bevölkerung. Dass dieses aber von jeher so gewesen sei, lässt sich nicht erweisen; dass namentlich die Assyrer selber nicht aramäisch geredet haben, lässt sich schon daraus abnehmen, dass Jes. 28, 12; 33, 19 dieselben von dem Hebräer Jcsaja als ein Volk stammelnder Zunge und unverständlicher Rede geschildert werden. Wären sie Aramäer gewesen, so hätte der Prophet sich nicht so ausdrücken können; denn Aramäisch verstanden wenigstens die Gebildeten im Volke schon damals Jes. 36, 11. An dieser Stelle aber wiederum werden die Abgesandten aufgefordert aramäisch zu reden, nicht weil die Assyrer diese Sprache als ihre Muttersprache redeten, sondern lediglich dieses, weil Aramäisch als die damalige allgemeine Verkehrssprache den gebildeten Assyrern gleicherweise wie den gebildeten Hebräern geläufig war. Und Rabsake und Rabsaris — können ebensogut assyrische wie aramäische Namen sein; das Fehlen des Statu* emphaticus bei beiden Namen oder vielmehr Titeln macht sogar aramäischen Ursprung derselben (vgl. dagegen Dan. 2, 14; 4, 6) mehr oder weniger verdächtig, beziehungsweise unwahrscheinlich. Auch hier also wird erst der Fall Ninivehs und der Sturz der assyrischen Herrschaft das Signal zum massenhaften Einbrüche aramäischer Bevölkerung in assyrisches Gebiet geweseu sein.

Aber — höre ich schliesslich mir entgegenwerfeu — die Babylonier und Assyrer Semiten, und ihr Alphabet keine Buchstaben-, sondern Silbenschrift, theilweis Hieroglyphenschrift? Von der Buchstabenschrift Rückkehr zur Sylben-, gar zur Hieroglypheuschrift, ist das nicht der verkehrte Gang? Und ist Sylbeuschrift nicht für eine Sprache, die den Vocal nicht coordiuirt, ganz ungeeignet? — Nun, von Rückkehr konnte füglich nur die Rede sein, wenn es fest stände, dass die Babylonier Buchstabenschrift früher als Keilschrift besessen hätten, was schwerlich zu beweisen sein wird. Dass dagegen Sylbeuschrift dem eigenthumlicheu Wesen der semitischen Sprache wenig angemessen ist, ist freilich vollkommen richtig, und dass gerade Semiten sollten jene seltsame Keilschrift erfunden haben, ist wenig wahrscheinlich. Es behauptet dies indes* keiu Assyriologe; im Gegentheil ist es bei ihnen Axiom, dass Erfinder der Keilschrift ein nicht-semitisches Volk turanischer oder

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kuschitischer Abkuuft war. Die semitischen Babylonier und Assyrer überkamen dieselbe lediglich, sich ihrerseits anf, das Wesen dieser Schrift in keiner Weise berührende, Abänderungen beschränkend '). Aber gesetzt sogar, den semitischen Babyloniern wäre die Umwandlung der alten hieroglyphischen Keilschrift in eine Sylbeuschrift zuzuschreiben: kann das füglich irgend Bedenken erregen, wenn wir doch wissen, dass die Aethiopen — doch auch ein semitisches Volk — die acht semitische Buchstabenschrift zu einer reinen Sylbenschrift umbildeten, beziehungsweise — zurückbildeten? Und schliesslich — ist wirklich die assyrische Sylbenschrift zur Bezeichnung semitischer Laute und Wörter ungeeigneter als die arabische zur Bezeichnung indogermanischer (persischer!) oder türkischer? — Ich bin der Ansicht: hier hat man die Sachen eben zu nehmen, wie sie sich geben, und dieses um so mehr, als es — an Analogien wahrlich nicht fehlt. —

Wir stehen am Ende unserer Betrachtung. Das Ergebuiss derselben ist ein sehr positives. Wird auch im Einzelnen noch unendlich viel zu thun, noch unendlich vieles aufzuhellen, zu verbessern sein — wir nehmen keinen Anstand es auszusprechen: die Basis der Entzifferung der assyrisch-babylonischen Keilinschriften ist eine solide, und es ist Zeit, dass die deutsche Wissenschaft aus ihrer lediglich zuwartenden Stellung heraustritt, um selbstthätig mitzuarbeiten an dem Werke der immer vollständigeren Entzifferung und immer gründlicheren und umfassenderen Erklärung dieser ehrwürdigen Denkmale einer eigentümlichen und so mannigfach interessanten Cultur. Sollte die vorstehende Betrachtung dazu dienen, hiezu in irgend einer Weise eine Anregung zu geben, so würde der Verfasser den Zweck derselben nicht für einen verfehlten erachten.

Nachschrift. Obige Abhandlung war bereits längere Zeit zur Versammlung der D. M. G. nach Würzburg abgesandt, als es mir vergönnt ward, von dem inzwischen durch H. Dr. Ferd. Keller dem hiesigen antiquarischen Museum übermittelten Inschriftenwerke Rawlinson's und Norris' (the inscriptions of West. As. I. II) Einsicht zu nehmen, in welchem sich unter Anderm Bd. II. Bl. 1—4 die mehrfach erwähnten unschätzbaren Täfelchen Assur-baui-pal's lithographirt finden. Ich muss aufrichtig bedauern, dass mir diese Zusammenstellung nicht schon bei der Niederschrift des obigen Aufsatzes zur Hand sein konnte; sie würdeu mir manchen Umweg erspart und manche verschlungene Deduction einfach überflüssig gemacht haben. Denn nicht nur, dass ich die von mir bereits verwerteten Angaben Opperts und Talbots über verschiedene Syllabarieu bis ins Einzelnste bestätigt finde (das oben S. 343 erwähnte, der Erklärung des Zeichens Jp. gewidmete Syllabar steht Bl. 4 Nro.

1) Ojtpert E. M. II. 77. 82.

685—87; das Syll. betr. das Monogramm für „König" (ob. S. 355) steht Bl. 2 No. 330; dasjenige über das Monogramm für „Hans" (ob. S. 347) Bl. 2 No. 364; das weitere über das Monogramm für „Gott" Bl. 4 No. 754; dasj. über das Monogr. für „gross" Bl. 1 No. 123; dasj. über das Monogr. für „Bruder" Bl. 2 No. 276): zu meinem nicht geringen Erstaunen begegne ich unter diesen Syllabarien auch einem solchen, welches (Bl. 1 No. 92) das Monogramm für „Vater" erklärt durch „abu", und einem weiteren, das (Bl. 1 No. 192) das Monogramm für „Mutter" umschreibt durch „ummu" 2*

{J)\ In der That, kann da noch auch der geringste Zweifel bleiben, dass die Basis der bisherigen Entzifferung eine solide, und dass die Sprache der assyrischen Keilinschriften eine semitische ist?

Ich benutze diese Gelegenheit, meinen früheren Bericht über die grossen Sardanapalsinscliriften auf den assyrischen Monumenten der antiquarischen Sammlung zu Zürich noch in zwei Punkten zu vervollständigen. Eine fortgesetzte Untersuchung hat mich nämlich überzeugt, 1) dass die grosse Inschrift auf den geflügelten Figuren (Genien oder miuistrirende Priester?) kein einheitliches Ganzes ist. Sie ist ein Torso und zwar ein Doppeltorso. Sie zerfällt in eine Inschrift rechts und eine Inschrift links. Von der Inschrift rechts sind immer nur die ersten Hallten der Zeilen, von der Inschrift links immer nur die zweiten Hälften derselben erhalten. Wir besitzen somit hier im Ganzen nicht drei, sondern vier grosse Sardanapaliuschriften, von deuen eine vollständig erhalten ist, alle übrigen dagegen (auch von der Inschrift auf dem Lebensbaume sind immer nur die ersten Zeilenhälfteu vorhanden) lediglich Torsi sind. Alle diese Inschriften aber sind 2), soweit sie erhalten, abgesehen von Kleinigkeiten, identische Inschriften und kommen überein mit der sog. „Standard Inscription", abgedruckt bei Layard Iuscriptions in the euneif. character. Lond. 1851. pl. 1 und mitübertragen von Oppert in seiner Uebersetzung der grossen Mouolithinschrift im Britt. Museum (E. M. 1. 311 ff.), nach welcher dann wiederum Jos. Grivel in Freiburg seine Uebersetzung gefertigt hat. Nachdem ich dieses Resultat weiterer Untersuchung bereits am Schlüsse des vorigen Jahres der hiesigen antiquarischen Gesellschaft in der Sitzung vom 12. Dec. vorgelegt habe, unterlasse ich es nicht auch den Lesern dieser Zeitschrift von demselben Kenntnis» zu geben.

Nachschrift vom 12. Juni 1869. (Zu S. 360 f.) kh habe der Abbaudluug noch eine zweite Nachschrift beizugeben. Erst inzwischen ist mir »ach das ueuerschienene Assyrian Dictionary von Edw. Norris I. Lond. 1^68 zugegangen, in welchem ich S. 92 Z. 3 v. u. nichts Geringeres abgedruckt finde, als ein neu aufgefundenes Syllabar, welches das Ideogramm für „Sohn" erklärt durch hablu, st. abs. zu dein st. constr. Itabai. So wären denn also di» sämmtlichen assyrischen Familiennamen: Vater [abu), Mutter {ummu,, Bruder («/"«), Sohn (habt) durch Syllabarieu belegt; wahrlich eine Rechtfertigung der ruberen Lesungen, wie sie glänzender nicht gedacht werden kann.

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Wis und Kamin.

Von
K. H. Gral.

Nassau Lees in Calcntta hat im J. 1864—65 da» einst berühmte aber äusserst selten gewordene, im Uten Jahrhundert von dein persischen Dichter Gorgani nach einer altern in Pehlewi vorhandenen Erzählung bearbeitete romantische Gedicht Wis und Kamin (s. Zeitschrift Bd. VIII S. 608) als Bestandteil der von der Asiatic Society of Bengal herausgegebenen Bibliotheca Indica New Series No. 48. 49. 52. 53. 76 drucken lassen: Wis o Kamin, an ancient persian poein by Fahraldin Asad AI Astarabadi AI Fakhri AI Gurgani, edited by Captain W. Nassau Lees LLD. and Munshi Ahmad Ali, 400 SS. 8. Dem Abdruck liegt eine einzige Handschrift zu Grunde, über deren Herkunft und Alter, da jede Vorrede fehlt, keine weitere Auskunft gegeben wird; es finden sich darin einige von dem Herausgeber selbst angemerkte Lücken S. 4, S. 52 und S. 67, auch wohl einige kleinere Auslassungen, die von ihm unbemerkt geblieben sind, die sich aber aus dem Mangel an Zusammenhang ergeben-, hie und da hat auch der Herausgeber einzelne Wörter mit Fragezeichen versehen müssen, weil sie offenbar unrichtig oder ganz unverständlich oder unleserlich waren. Die in Berlin in der Sprenger Vhen Bibliothek vorhandene Handschrift dieses Gedichtes (No. 1378 fo.) konnte zur Ausfüllung der vorhandenen Lücken keine Abhülfe gewähren, denn aus der Yergleichung ergab sich sofort, dass sie nur eine — und zwar wie die Unterschrift selbst augibt im J. 1207 H. (1792) gemachte — Abschrift eben desselben Manuscripts ist, welches Lees vorgelegen hat, mit dem Unterschiede, dass das Vorhandensein der Lücken gar nicht angegeben wird und manche Wörter als für den Abschreiber unleserlich ausgelassen sind, welche Lees bei besserer Sprachkenntniss hat entziffern können. Dagegen befindet sich nach einer mir zunächst von Dr. Rost zugekommenen Notiz und nach darauf erfolgten freundlichen Mittheilungen des Prof. Cowell eine von diesem letztem vollständig collationirte Handschrift dieses Gedichtes in Oxford (Elliot Collection No. 273). Diese Handschrift ist in den ersten Blättern sehr wurmstichig, so dass in dem im Lees'schen Texte durch Wegfall von zwei Blättern fehlenden Stücke S. 4 Verschiedenes unleserlieh geworden ist, doch enthält dieses Stück blos das Lob des Propheten und einen Theil des Lobes des Regenten Togrulbeg. Die beiden andern Lücken, die der Erzählung selbst angehören, sind durch Wegfall nur je eines Blattes entstanden und deren Text ist in der Oxforder Handschrift unversehrt. Diese fehlenden Stückt' sollen durch Lees nach der von Cowell gemachten Abschrift nachträglich in Calcutta abgedruckt und zur Vervollständigung des gedruckten Textes herausgegeben werdenl). Eine genauere Vergleichung des Textes im Einzelnen, so wünschenswerth sie hie und da gewesen wäre, war für meinen Zweck, da es sich wesentlich blos nm eine Inhaltsangabe bandelte, nicht nothwendig, ich konnte mich deshalb mit dem Lees'scheu Texte begnügen.

Nach Hägi Ehalfa war Gorgani ein Hofbeamter des Selgukideo Togrulbeg (s. Ztschr. VIII S. 608). In dem, was der Dichter zum Lobe seines Fürsten anführt, werden als die Länder und Orte, in welche derselbe seine Befehlshaber schickt Gilau und Gurgan, Mekran und Kerwan, Arran und Armenien, Nischapur und Schiris, Chuzistan und Ahwäs genannt. Arslan Chan, der Kaiser, der König von Syrien schicken ihm grosse Geschenke und schliessen Bündnisse mit ihm; er baut in Ma'muriah eine Moschee, um seinen Eifer für den Islam zu beweisen. Von Syrien erhält er einen prachtvollen Rubin, der wie die Sonne strahlt und 36 Mitqal an Gewicht hat. Zuletzt sendet ihm der Chalif Diplom und Ehrenkleid. Alles Land zwischen Gihun und Tigris ist für ihn ein Lustgarten, in welchem er mit seinem Hofe fröhlich umherzieht und bald in Ispahan, bald in Rai oder Gurgan sich aufhält. Ispahan wird glücklich gepriesen, dass es die Residenz des Königs der Könige geworden, und Bagdad ist auf dasselbe eifersüchtig. Nach diesen Andeutungen fallt die Abfassung des Buches nach dem J. 1042, in welchem Tognil Ispahan eroberte und noch vor der Eroberung Bagdad's durch denselben im J. 1055 (s. Mirchond Geschichte der Seldschuken übers. v. Vullers S. 48 ff. Vgl. Journ. Asiat. S6r. IV T. XI p. 425 ff.)

Nachdem der Dichter das Lob seines besondern hohen Freundes und Gönners Amiduddin Abulfath gesungen, welcher als Statthalter in Ispahan in kurzer Zeit Ruhe und Sicherheit wiederhergestellt und die in die benachbarten Länder geflüchteten Einwohner in die Dörfer zurückzukehren veranlasst und mit dem Nöthigen versorgt hatte, spricht er sich in folgender Weise über die Veranlassung zur Abfassung seines Werkes aus. „Als einst der König mit dem Hofe von Ispahan nach Hamadan gezogen war, blieb ich wegen eines Geschäftes zurück; ich machte dem Abulfath meine Aufwar

1) Da sie bis jetzt nicht erschienen sind, so hat H. Cowell die Güte gehabt, mir eine Abschrift derselben zuzusenden, nach welcher icli deu Text habe vervollständigen können. Zugleich erhielt ich von ihm ein Verzeichnis* der Wörter nach der Oxforder Handschrift, die im gedruckten Texte als unleserlich oder zweifelhaft weggelassen oder mit Fragezeichen versehen worden waren.

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